Anleitung: So wird Ihr PDF barrierefrei
Struktur
Ein barrierefreies Dokument zeichnet sich durch eine schlüssige Struktur aus – unabhängig davon, ob man mit Microsoft Word, Adobe InDesign, Acrobat oder anderen Tools arbeitet. Der logische Unterbau ist das Fundament für Verständlichkeit und Screenreaderkompatibilität des PDFs. Folgende Punkte sollten in der Quelldatei beachtet werden:
Inhaltsverzeichnis
Wichtig für den schnellen Überblick ist ein Inhaltsverzeichnis zu Beginn des Dokuments. Das gilt auch für kurze Formulare! Wer die Möglichkeit hat, direkt zu dem Punkt zu springen, den er sucht, muss nicht Zeit damit verschwenden, sich den ganzen Text vorlesen zu lassen.
Lesezeichen
Auch Lesezeichen helfen bei der schnellen Navigation im Text. Hinterlegen Sie Lesezeichen an entscheidenden Stellen – idealerweise eins pro Überschrift –, sodass Nutzende leicht zu der Stelle springen können, die sie interessiert.
Saubere Überschriftenhierarchie
Der Text muss durch aussagekräftige Überschriften unterteilt werden, die in der richtigen Reihenfolge auftauchen. Die H1 (Heading 1) oder Hauptüberschrift des Dokuments darf nur einmal vorkommen, und das an allererster Stelle. Darauf folgen, aneinandergereiht wie in einer wissenschaftlichen Arbeit, so viele H2, H3 und H4 wie nötig.
Wichtig ist, dass die Überschriften nicht nur aussehen wie Überschriften, sie müssen auch als solche formatiert, sprich: getaggt werden. Eine Textzeile, die nur fett formatiert oder vergrößert wurde, wird von assistiven Technologien wie Screenreadern nicht als Überschrift wahrgenommen.
Jeder Überschrift muss der korrekte Tag zugewiesen werden, etwa <H1>, <H2> oder <H3>. Dafür gibt es in Microsoft Word, InDesign und anderen Programmen Formatvorlagen. Damit diese beim Export des PDFs nicht verlorengehen, sollte ein Häkchen bei „Tags für Barrierefreiheit“ gesetzt werden.
Das Strukturieren des Dokuments durch Überschriften und Zuweisen von <H>-Tags hilft bei der Orientierung. Personen, die einen Screenreader nutzen, können von Überschrift zu Überschrift springen, um schnell zu der Information zu kommen, die sie suchen. Ein Dokument, das in Spalten, Kästen oder Tabs angeordnet ist, wird in der richtigen Reihenfolge vorgelesen, wenn der Tag-Baum entsprechend geordnet wurde.
Textabschnitte, Listen und Tabellen
Auch für alle anderen Bestandteile des PDF-Dokuments ist die richtige Formatierung Pflicht. Textabschnitte müssen als <P>, Listen als <List> und Tabellen mitsamt Zeilen und Spalten als <Table Head>, <Table Row> und <Table Data> getaggt werden. Dasselbe gilt für Grafiken und Strukturelemente.
Zum Beispiel interessiert sich eine Leserin vielleicht besonders für Informationen, die in Tabellen aufbereitet sind, weil sie damit besser arbeiten kann. Eine Tabelle, die nicht als solche formatiert wurde, kann sie mit dem Screenreader aber nicht aufrufen – schlimmstenfalls weiß sie gar nicht, dass sie existiert.
Links
Wenn es in Ihrem PDF Links gibt, müssen diese ebenfalls als solche getaggt werden. Der korrekte Tag lautet hier <Link>.
Bilder und Grafiken
Bilder und Grafiken vermitteln vielfältige Informationen. Damit auch Menschen mit Sehbeeinträchtigungen an diese Informationen kommen, müssen Sie für jedes Bild und jede Grafik Alt-Texte hinterlegen. Alt-Texte sollten kurz und prägnant beschreiben, was auf dem Bild oder in der Grafik zu sehen ist.
Ein beispielhafter Alt-Text könnte lauten: „Produktfoto des Fliesenklebers XYZ im 5-l-Eimer vor weißem Hintergrund“. Sorgen Sie aber im Allgemeinen dafür, dass Informationen nicht nur aus Bildern hervorgehen. Idealerweise ergänzen Bilder den Text, der alle wichtigen Informationen enthält.
Rein dekorative Bilder und Elemente (etwa Trennlinien) können Sie auslassen – diese brauchen lediglich ein „“ im Alt-Text-Feld, damit der Screenreader sie ignoriert. Bei Diagrammen, die viele wichtige Informationen enthalten, sollte als Alt-Text eine Tabelle hinterlegt werden. Diese gibt die Daten übersichtlicher wieder als ein Fließtext.
Formulare
Wenn Sie ein Formular in Ihr PDF einbinden wollen, müssen Sie jedes Feld in diesem Formular mit einem eigenen Alt-Text versehen. Ansonsten kann es zu Eingabefehlern kommen, die Ihre Kund*innen frustrieren und Ihnen mehr Arbeit machen.